14 Sep 2019

Wundreinigung in der Wundbehandlung

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Wundreinigung

Bei traumatischen Verletzungen, wie einem Sturz, die eine Wundentstehung zur Folge haben, sind oft Verunreinigungen und Fremdkörper in der Wunde vorhanden. Der Heilungsverlauf kann mehrere Tage auch Wochen dauern. Bei akuten Verletzungen mit schmutzigen Gegenständen ist die Reinigung mit lokalen Antiseptika unerlässlich um Infektionen und einer folgenden Verschlechterung der Wundheilung vorzubeugen.

Wunden können aber auch anders entstehen. Gefäßbedingte Durchblutungsstörungen sind oft die Ursache von Schädigungen der Haut. Bräunliche Flecken oder schuppige, trockene Hautareale auf den Unterschenkeln sind oft Vorboten für die Entstehung einer Wunde (Ulcus cruris). Patienten erzählen bei den ersten Besuchen: Trotzdem ich meine Haut mit Pflegecremes versorgt habe wurden die Hautschuppen nicht weniger und dann entstand eine Wunde.

Wunden können von „innen heraus“ entstehen. Die zwei Hauptgründe dafür sind:

  • ein verschlechterter venöser Rücktransport von Blut, das Blut sackt ab oder

  • eine Störung der arteriellen Versorgung von Gewebe, das Blut gelangt nicht mehr in die feinsten Gefäße.

Wundliegen (Dekubitus), Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes Mellitus (DM) und Rauchen sind häufige Ursachen, die zur Entstehung einer Wunde ohne vorausgehender Verletzung führen können.

Jede Wunde versucht sich durch Bluten oder der Bildung von Exsudat selbst zu reinigen. Die Blutung stoppt. Nach und nach bildet sich ein Wundschorf. Bei inadäquater Wundversorgung bildet sich anfangs ein feuchter, leicht glitschiger Film (Biofilm), später kann bei weiterer nicht fachgerecht durchgeführter Wundreinigung ein Fibrinbelag entstehen. Abgestorbenes Gewebe, Zelltrümmer, Blut, Eiweiß und die Ausbildung von Biofilm können auf der Wunde eine fast undurchdringliche Schicht bilden – den Wundbelag. Dieser zeigt sich in verschiedenen Farben – meist weiß, gelblich-grau. Nach Austrocknung sind auch dunklere Farbnuancen zu beobachten.
Avitales Gewebe verhindert die komplikationslose Abheilung der Wunde.
 
Der Körper versucht sich von der Außenwelt abzukoppeln. Einflüsse von außen, wie Gewebe der Kleidung aber auch physiologische Keime siedeln sich in der Wunde an. Der Körper reagiert weiter mit der Bildung von Biofilm und Fibrin um sich selbst zu schützen. Dieser Wundbelag verhindert jedoch eine rasche Abheilung der Wunde.
Toxische Zellzerfallsprodukte können in den Blutkreislauf gelangen, das Immunsystem schädigen und Komplikationen auslösen. Da das Immunsystem nicht bis in das abgestorbene Gewebe (Nekrose) einwirken kann, bilden abgestorbene Gewebstrümmer die perfekte Überlebensnische für pathogene (krankheitserregende) Keime und können Infektionen, eine Verschlechterung der Wundsituation, Wundgeruch und stark nässende Wunden hervorrufen.
 
Hier kommt die Wundreinigung ins Spiel. Wundheilungshemmende Bestandteile, angetrocknete Verbandsreste, müssen aus Wunde und Wundumgebung entfernt, Mikroorganismen und deren Stoffwechselprodukte so gut wie möglich reduziert werden.
Bei akuten Verletzungen mit unreinen Gegenständen oder bei Stürzen auf den Schotterboden ist das Beseitigen von Fremdkörpern aus der Wunde der erste Schritt um Entzündungsreaktionen zu vermeiden.
Verschiedene lokale Antiseptika wie PVP-Jod Lösung (Betaisodona®) oder Octenidindihydrochlorid (Octenisept®) sollten nur bei verschmutzten, traumatischen Akutwunden und nur kurzfristig (unter einer Woche) Anwendung finden. Moderne Wundspüllösungen sind für die Anwendung chronischer, nicht infektiöser Wunden für einen längeren Zeitraum geeignet. Sie reduzieren weder das Wachstum gesunder Körperzellen noch reizen sie die Wunde und Wundumgebung. Bei den unterschiedlichen Antiseptika und Wundspüllösungen ist die Einwirkzeit von bis zu 20 Minuten und eine mögliche Reaktion mit anderen Wundauflagen zu beachten.
Der Wundbereich und die umliegende Haut können mit einer in Wundspüllösung getränkten Gaze vorsichtig abgewischt werden, um das Entfernen von Oberflächendebris und Verunreinigungen sowie von Biofilmen und abgestorbenem Gewebe zu unterstützen.
 
Eine weitere Möglichkeit der Wundreinigung ist das chirurgische Debridement. Der schwer lösliche Biofilm wird durchbrochen, Fibrin und nicht durchblutetes, avitales Gewebe mit einer Kürette oder Skalpell entfernt. Erst nachdem der Wundgrund / Wundbett vorbereitet und frei von Belägen ist kann die Wunde heilen.
 
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